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Ausgangslage: Was muss passieren?

Es ist Zeit, die Karten auf den Tisch zu legen und im Hinblick auf die Spekulationen um die Bedingungen eines deutschen Weiterkommens bei der Eurobasket 2011 einmal Klarheit zu schaffen.

Diese Frage(n) geisterte(n) seit Tagen durch die Basketballgemeinde Deutschlands:

„Wann kommt Deutschland weiter? Reicht ein einfacher Sieg gegen Litauen oder muss man im ominösen Dreiervergleich mindestens mit einer bestimmten Differenz gewinnen?“

Die Antwort darauf ist eigentlich so verständlich wie simpel:

Das Spiel FrankreichSpanien (16:30) ist unwichtig für Deutschland, da diese beiden Teams schon sicher weiter sind und nur noch den ersten Tabellenplatz untereinander ausspielen.

Deutschlands Aufgaben hängen aber ganz massiv vom Spiel SerbienTürkei (14:30) ab. Gewinnt die Türkei das Spiel, reicht Deutschland ein Sieg gegen Litauen, Höhe egal. Grund ist dann der Dreiervergleich zwischen Deutschland, Litauen und der Türkei. Da die Türken beide Spiele gegen ihre Mitkontrahenten verloren haben, wären sie draussen und Litauen schon weiter.

Dies wäre der günstigste Fall für Deutschland, da…

… man 1. darauf hoffen kann, dass Litauen wichtige Spieler in diesem Spiel schont.
… es 2. fraglich ist, ob Litauen mit der Intensität eines KO-Spiels zu Werke gehen würde.

Gewinnt Serbien allerdings gegen die Türkei, müsste der Dreiervergleich Serbien – Deutschland – Litauen zu Rate gezogen werden und die Türkei wäre in diesem Falle ausgeschieden:

Litauen 100 – 90 Serbien

Deutschland 64 – 75 Serbien

Deutschland ? – ? Litauen

Litauen hat gegenwärtig eine Bilanz von +10.

Serbiens Bilanz ist + 1.

Deutschland jedoch liegt bei -11.

Um trotzdem weiterzukommen, müsste Deutschland folglich mit 11 gegen Litauen gewinnen, denn dann hätte Litauen -1, Serbien +1 und Deutschland 0.

=> Litauen wäre draussen.

Alles in allem sollte morgen also der Türkei die Daumen gedrückt werden, denn so reicht ein Sieg gegen die Litauer, für die es in dem Spiel um nichts mehr ginge.

Gewinnt Serbien allerdings, so müsste Deutschland in einem Spiel gegen Litauen, bei dem es für beide um alles geht, mit mindestens 11 Punkten Unterschied gewinnen, was in der gegenwärtigen Lage als unwahrscheinlich gelten sollte.

 

Deutschland mit Sieg gegen Lettland

Das deutsche Team hat das letzte und im Hinblick auf die Zwischenrunde unwichtige Gruppenspiel gegen Lettland denkbar knapp mit 81-80 gewonnen.

Es war gleichzeitig eine Bestandsaufnahme für die „jungen Wilden“ im Team, da Bauermann in Viertel vier komplett auf Nowitzki und Kaman verzichtete.

Deutschland startete solide und spielte schnell eine 7:2-Führung heraus, die sich zum Ende des Viertels jedoch wieder auf 15:14 relativierte, da im Anschluss offensiv wie defensiv nicht mehr viel zustande gebracht wurde.

Stark begann zu Beginn Chris Kaman mit schnellen Punkten, Rebounds und Blocks, Nowitzkis Tag sollte es jedoch nicht werden.

Im zweiten Viertel entwickelte sich dann eine sehr ausgeglichene Partie mit vielen Führungswechseln, wobei sich die bisherigen Leistungsträger schwer taten, vor allem Nowitzki schien seinen Rhytmus nicht finden zu wollen.

Dass man aber trotzdem mit 33:33 in die Pause ging, hatte man zu einem Großteil den Ergänzungsspielern wie Staiger und Schultze zu verdanken, die in wichtigen Phasen ihre Würfe einnetzen konnten. In der Verteidigung ließ man sich allerdings zu viele einfach Würfe einschenken, auch Nowitzki schien nicht wach und wurde einige Male überrannt.

Nach der Pause schien das Spiel anfangs nicht viel besser zu werden, nach einiger Zeit fand Deutschland aber immer besser ins Spiel und man fing an, seine Würfe zu treffen, die Optionen durchzuspielen und mehr Einsatz zu zeigen. Auch Nowitzki war jetzt in der Lage, sich öfter am gegnerischen Korb durchsetzen.

Überzeugen konnte in dieser Phase auch Tibor Pleiß. Wirkte er „in the paint“ immer noch ein wenig unbeholfen und vertrudelte ein Paar Bälle, verstand er es doch, seine freien Würfe von aussen einschließlich eines Buzzerbeaters zum 56:48 zu verwandeln und sich damit Selbstvertrauen für künftige Aufgaben zu erarbeiten.

Im vierten Viertel hatten die NBA-Stars dann Pause und Bauermann setzte voller Vertrauen auf die junge Garde. Diese waren offensiv zwar relativ oft erfolgreich, jedoch schienen die Letten nun alles zu treffen und so schmolz die Führung langsam aber stetig, bis das Spiel in der letzten Minute beim Stand von 75:79 schon verloren schien.

Es folgten die Sekunden von Heiko Schaffartzik. Zuerst traf er mit einem schnellen Dreier zum 78:79, dann wurde schnell gefoult, um die Uhr zu stoppen. Die Taktik ging auf, denn die Letten zeigten Nerven und trafen nur einen von zwei Freiwürfen. Der  Spielstandstand lautete jetzt 78:80, es waren nur noch wenige Sekunden zu spielen und Deutschland hatte noch einen Angriff zum Ausgleich oder sogar zur Führung.

In diesem ließ sich Schaffartzik dann nicht zweimal bitten: Er lässt sich erst den Ball geben, dribbelt dann nach vorne, zieht nach links zur Dreierlinie, steigt zum Dreier hoch und verwandelt einen wilden Dreier zum 81:80-Endstand, einschließlich eines nicht gepfiffenen Fouls. Sieg für Deutschland.

 

Alles in allem ist dieses Spiel schlecht zu bewerten. Kaman und Nowitzki wurden geschont und die Jugendspieler haben sich mit ein wenig Glück gegen einen der schlechteren Gegner der Gruppe behauptet.

In der Zwischenrunde geht es nun mit einer Bilanz von 0 gegen drei Hammergegner: Europameister Spanien, Vizeweltmeister Türkei und Gastgeber Litauen, wobei zwei Siege Pflicht sind.

 

Punkteverteilung:

Robin Benzing (11), Johannes Herber (2), Steffen Hamann (4), Sven Schultze (6), Heiko Schaffartzik 11), Philipp Schwethelm (4), Tibor Pleiß (11), Chris Kaman 11), Lucca Staiger (8), Dirk Nowitzki 11), Jan-Hendrik Jagla (2) und Tim Ohlbrecht.

 

 

DBB-Team mit erster Niederlage im ersten Testspiel gegen Finnland. 74:79

Das erste Vorbereitungsspiel zur Europameisterschaft in Litauen hat das deutsche Team nach einer ausgeglichenen Partie letzendlich knapp mit 74:79 verloren.

Ohne die NBA-Stars Nowitzki und Kaman nach Hagen gereist musste Stammcenter Tibor Pleiß ebenfalls spontan verletzt aussetzen.

Deutschland startete demenstprechend wackelig und schwach ins Spiel und lag schnell mit 0:6 zurück. In der Folge hatten beide Mannschaften Probleme, ihre Spielsysteme durchzulaufen und so entwickelte sich bis zur Halbzeit ein recht langweiliges Spiel, welches von Fehlpässen und mangelndem Wurfglück auf beiden Seiten geprägt war.

Herausstechen konnte in dieser Phase nur Tim Ohlbrecht. Der Jubilar (50. Länderspiel) spielte mit großartigem Kampfgeist an beiden Enden des Spielfelds, hielt die DBB-Elf mit starken Aktionen im Spiel und brachte Deutschland zur Halbzeit sogar mit 5 Punkten in Führung.

In der zweiten Halbzeit wirkte Deutschland dann anfangs insgesamt fitter. Der Ball lief nach der Pause gut und auch andere Spieler bekamen die Möglichkeit, ihr Talent zu zeigen. Hervorzuheben sind hier vor allem Wysocki (14) und Benzing (10), die durch einige gute Würfe positiv auffielen.

Leider verpasste es die deutsche Mannschaft zu diesem Zeitpunkt, sich entscheidend abzusetzen, denn auch die Finnen konnten durch schnell vorgetragene Angriffe sowie durch einfache Korbleger nach ärgerlichen Nachlässigkeiten punkten.

Es folgte die Show des Tim Ohlbrecht. Er ließ, obwohl er schon 17 Punkte in der ersten Hälfte aufgelegt hatte, die wohl spektakulärsten Minuten des Spiels folgen. Nach einigen bemerkenswerten Slam Dunks am offensiven Ende, bei denen auch mal zwei Spieler an ihm hingen, folgte eine regelrechte Blockparty in der Defense, bei der er die gegnerischen Spieler nacheinander abräumte.

Umso ärgerlicher war es, dass Deutschland das Spiel dann doch noch aus den Händen gab. Denn gegen Ende des letzten Viertels gingen die Finnen durch mehrere teils katastrophale Ballverluste der Deutschen Mannschaft und folgenden Dreiern mit zwei Punkten in Führung.

In diesen Schlussminuten muss sich vor allem Stefen Hamann den Vorwurf machen, den Korberfolg zu sehr erzwungen zu haben, denn er versuchte in gleich drei folgenden Angriffen mit wirren Dribblings in die Zone und Abschlüssen gegen bis zu drei Mann die Führung im Alleingang zurückzugewinnen.  Nichtsdestotrotz keimte kurz wieder Hoffnug auf, als Robin Benzing nach einem Foul an der Freiwurflinie zum 74:74 ausgleichen konnte.

Die Aussichten auf einen Sieg wurden direkt im Gegenzug durch einen schnellen Korberfolg Finnlands sowie 3 von 4 erfolgreichen Freiwürfen nach absichtlichen Fouls der Deutschen schließlich entgültig zu Nichte gemacht. Endstand 74:79.

Alles in allem kann man sagen, dass die deutsche Mannschaft ohne Pleiß, Nowitzki und Kaman nicht den Hauch einer Chance auf einen Erfolg (ich würde sogar sagen, sie hätten keine Chance auf einen Achtungserfolg) in Litauen hätte. Da dem aber nicht so ist, kann man durchaus hoffnungsvoll auf die EM blicken, sicherlich auch durch gute individuelle Leistungen einiger weniger Spieler.

Ärgerlich ist diese Niederlage vor allem für Tim Ohlbrecht, der in seinem Jubiläumsspiel mit 24 Punkten Topscorer wurde und als einziger auf dem Feld Topleistungen gebracht hat.